Müller-Hof Newsletter – September 2026
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Familienrecht: CLP-Verfahren ermöglicht einvernehmliche Trennung statt Rechtsstreit
Eine Trennung oder Scheidung ist nicht nur eine juristische Angelegenheit, sie ist immer auch eine emotionale Ausnahmesituation. Klassische Gerichtsverfahren verschärfen Konflikte häufig zusätzlich, statt sie zu lösen, wodurch sich die Rechtsstreitigkeiten erheblich verlängern. Dies kann für den Betroffenen sehr belastend und mitunter fast unerträglich sein. Eine Alternative, die zunehmend an Bedeutung gewinnt, ist das CLP-Verfahren (Collaborative Law and Practice), das auch als kooperative Praxis oder kooperatives Anwaltsverfahren bekannt ist.
CLP ist ein außergerichtliches Streitbeilegungsverfahren, das Trennungspaaren ermöglicht, ihre Zukunft eigenverantwortlich und einvernehmlich zu gestalten – ohne den Gang vor das Familiengericht. Im Mittelpunkt stehen nicht Sieg oder Niederlage, sondern die Interessen aller Beteiligten und das Prinzip der Fairness.
Jede Partei wird dabei von einem eigenen, speziell für CLP ausgebildeten Rechtsanwalt begleitet. Der CLP-Anwalt bleibt stets Interessenvertreter der eigenen Partei und unterscheidet sich damit vom Mediator. Bei besonders komplexen Fallgestaltungen können Fachleute wie Steuerberater oder Fachkräfte für Kinder hinzugezogen werden.
Das CLP-Verfahren bietet sich insbesondere an bei juristisch oder wirtschaftlich komplexen Sachverhalten, etwa bei größerem Vermögen, Unternehmensbeteiligungen oder grenzüberschreitenden Fragestellungen.
Von der klassischen Mediation unterscheidet sich das CLP-Verfahren auch dadurch, dass bei einem Abbruch ohne Einigung die beteiligten CLP-Anwälte und Fachpersonen die Parteien in einem anschließenden Gerichtsverfahren nicht weiter vertreten dürfen. Beide Seiten müssten sich dann neue Anwälte suchen. Dieser Mechanismus mag zunächst ungewohnt klingen, entfaltet aber genau die gewünschte Wirkung. Er schafft einen starken Anreiz für alle Beteiligten, wirklich bis zu einer einvernehmlichen Lösung zu verhandeln, statt das Verfahren als bloße Vorstufe zum Gerichtsprozess zu nutzen.
Das CLP-Verfahren ersetzt nicht jede Form der Streitbeilegung, aber für Paare, die trotz Trennung einen fairen, respektvollen und selbstbestimmten Weg suchen, ist es oft die deutlich bessere Alternative gegenüber dem klassischen und langwierigen Scheidungsprozess.
Herr Rechtsanwalt Stöcker ist Fachanwalt für Familienrecht und zusätzlich als CLP-Rechtsanwalt zertifiziert. Er begleitet kompetent durch das Collaborative-Law-Verfahren und unterstützt dabei, eine tragfähige und faire Lösung für die Familie zu finden.

